Die Beratungsstellenarbeit des Deutschen Arbeitskreises für Familienhilfe e.V.



60 Jahre Deutscher Arbeitskreis - das heißt auch 34 Jahre Beratungsstellen des Deutschen Arbeitskreises! In einer für den Verein und das Thema Mutter-Kind-Kuren prekären Situation war 1984 die Idee umgesetzt worden, dem Verein eine Außenvertretung zu geben. Damals wurden nach und nach sieben Beratungsstellen gegründet, um den Verein bekannt zu machen und natürlich die Belegung der Kurheime, wie sie damals hießen, zu sichern. Die Stellen wurden mit SozialpädagogInnen oder Menschen aus ähnlichen Berufsgruppen besetzt. Damals wie heute geht es darum, den Kurinteressierten eine möglichst gute Vorbereitung der geplanten Maßnahme anzubieten, dies unter Einbeziehung des persönlichen Kontextes. Die Beratungsgespräche finden persönlich oder telefonisch statt. Das Angebot ist kostenfrei und krankenkassenübergreifend. Neben dem Aufzeigen von Angeboten und Inhalten wird die Antragstellung übernommen, um die Kosten zu sichern, im Bedarfsfall auch die Unterstützung bei Widersprüchen.

Heute liegt der gesetzliche Eigenanteil bei 220,- €, die Lohnfortzahlung durch den Arbeitgeber, sowie die Freistellung vom Arbeitsplatz ist geregelt, ebenso die ungekürzte Leistung über das Jobcenter. Wichtige Errungenschaften, die im Laufe der Jahre erreicht wurden. Doch das war nicht immer so. Die Krankenkassen bezuschussten die Kuren bis 1990 lediglich, was dazu führte, dass jede kurbedürftige Mutter ihre Einkommensverhältnisse offenlegen musste, um dann entsprechend einen Zu - schuss vom Sozialamt zu erhalten. Die Eigenanteile waren deshalb zum Teil recht hoch, man musste sich eine Kur damals also leisten können.

Etwa 20 Kuren waren es im ersten Jahr in der Beratungsstelle Stuttgart. Die Mütter, die selbstverständlich im Rahmen der Nachsorge auch über die Kurzeit hinaus betreut wurden, wurden mehr. Die Kurzahlen steigerten sich bis zur Jahrtausendwende in allen Beratungsstellen auf 200-300 Maßnahmen pro Jahr, bei maximal gleichbleibenden Stundenzahlen. Die Kuren hießen nicht mehr Kuren, sondern stationäre Maßnahmen für Vorsorgeund Rehabilitation, außerdem waren 1997 die Väter hinzugekommen. Dass Väter gut in die Maßnahmen zu integrieren waren, zeigte sich schnell. Die Nachfrage war und blieb aber gering und die Anzahl der „Stuttgarter“ Männer stieg bisher nicht über 5 Prozent.

Die Beratungen wurden im Laufe der Jahre immer strukturierter und effizienter. Neben der Abklärung der Kurbedürftigkeit, sowie der Kurfähigkeit, waren die individuellen Ziele wichtiger geworden. Die Kuren waren zwischenzeitlich von vier auf drei Wochen gekürzt worden, umso wichtiger war nun die Frage nach der optimalen Nutzung der Maßnahme. Die Devise war weniger, sich auszuruhen und verwöhnen zu lassen, sondern eher ressourcenorientiert herauszufinden, was die Nachhaltigkeit im Alltag sichern könnte.

Die Mutter-/Vater-Kind-Maßnahmen waren zwar 1997 zur Pflichtleistung geworden, doch leider blieb die Umsetzung durch die Krankenkassen davon nahezu unberührt. Ablehnungsquoten über 40% im Jahre 2006 erschwerten die Arbeit der Beratungsstellen sehr und es brauchte immer wieder ein hohes Maß an Durchhalte- und Durchsetzungsvermögen, um die Widersprüche abzuwenden. Erst als 2008 die gesetzlichen Krankenkassen zur statistischen Erfassung ihrer Antrags- und Bewilligungspraxis verpflichtet wurden, stabilisierte sich die Lage.

Aber auch in anderer Hinsicht veränderte sich das Bild in den Beratungsstellen immer wieder. Die unterschiedlichen gesellschaftlichen Phänomene zeigten sich deutlich in den Anliegen der Mütter und Väter. So hat sich beispielsweise seit Anfang der 90iger Jahre in der Beratungsstelle Stuttgart die Zahl der Berufstätigen verdoppelt.

Menschen mit Migrationshintergrund sind heute fünfmal so häufig vertreten, die Anfragen von Familien, die mit ihren behinderten Kindern eine Maßnahme beantragen, sind deutlich mehr geworden. Dies erfordert eine noch größere Beratungskompetenz und Reflexionsvermögen, um den individuellen Bedürfnissen gerecht zu werden. Die MitarbeiterInnen in den Beratungsstellen in Hamburg, Berlin, Bremen, Stuttgart und Freiburg tragen damals wie heute mit ihrer Präsenz vor Ort dazu bei, die Konstanz des Vereins deutlich zu machen, Kontakte zu halten und Neue aufzutun.

Dem Entgegenzutreten was kommt, mit neuen Herausforderungen kompetent und engagiert umzugehen, das macht die Arbeit der Beratungsstellen aus.

Fricka Schüle
Dipl. Sozial Pädagogin