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Adopositasbehandlung insbesondere bei Kindern und Kleinkindern in der Fachklinik Eichhof und den weiteren Fachkliniken des Deutschen Arbeitskreises

Dr. Ing. Dipl. Phys. Wolfgang Fengels Simonswald,
Facharzt für Allgemeinmedizin; Ernährungsmediziner DAEM
Kurmedizin-Sportmedizin-Betriebsmedizin
Leiter der Eltern Fachklinik für Prävention
Klinik Eichhof 

 

Entwicklung des Konzeptes

Seit 1993 liegt ein besonderer Indikations-Schwerpunkt der Klinik Eichhof in der

Behandlung übergewichtiger Patienten. Dazu wurden in der Klinik nach den aktuellen anerkannten Erkenntnissen der Ernährungsmedizin und der Ernährungsberatung strukturierte Konzepte zur stationären Adipositasbehandlung erstellt und immer wieder weiterentwickelt:

VITESS -Konzept (vitalisierende Ernährungsschulung für Erwachsene)

MOTESS-Konzept (motivierende Ernährungsschulung für Kinder).

Diese Therapie-Konzeptionen stellen auch die Basis der Adipositasbehandlung in den fünf weiteren Einrichtungen des Deutschen Arbeitskreises für Familienhilfe dar.

 

Das Therapiekonzept beruht auf den drei Schwerpunkten:

 

Verhaltens-, Bewegungs- und Ernährungstherapie

 

Trotz der strukturierten Schulungsprogramme werden die Patienten in keine starren Verhaltensmuster eingeengt, sondern verhaltenstherapeutisch nach dem "Prinzip der flexiblen Selbstkontrolle“ (Prof.Pudel ) behandelt.

Die Leitlinien der DAG (Deutsche Adipositas Gesellschaft) und die Empfehlungen der KgAS (Konsensusgruppe Adipositas bei Kindern und Jugendlichen) bzw AGA (Arbeitsgemeinschaft Adipositas bei Kindern und Jugendlichen) werden in der Klinik Eichhof umgesetzt. Ferner werden die Anforderungen entsprechend den Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Sozialpädiatrie für stationäre Vorsorge- und  Rehabilitationseinrichtungen erfüllt.

 

In enger Zusammenarbeit verwirklicht unser interdisziplinäres Team, bestehend aus Ärzten, Krankenschwestern, Psychologen, Sozialpädagogen, Sporttherapeuten, Bademeistern und Physiotherapeuten, Ernährungsfachkräften, Diätassistentin, Erziehern und Lehrern die vorliegenden ganzheitlichen Rehabilitations- und Vorsorge-Konzepte.

Um die oft tief verborgenen Ursachen von Ernährungsstörungen wie z.B. die der Adipositas in Hinsicht auf das sozio-familiäre Verhalten zu erkennen , zeigt sich eine stationäre Therapie als effektiv und kostengünstig; die Therapie muß unter Umständen auch die ganze Familie einschließen. Die vertrauensvolle Atmosphäre einer therapeutischen Gemeinschaft bietet ein gutes Feld, um neue Verhaltensweisen einzuüben und die Motivation unter Gleichgesinnten zu stärken.

 

Die Klinik Eichhof trat 2003 dem klinischen Modellprojekt der Deutschen Akademie für Ernährungsmedizin (DAEM) bei und konnte sich erstmalig 2004 als "Lehrklinik Ernährungsmedizin" der DAEM qualifizieren und zertifizieren (Übersicht der Lehrkliniken in der Anlage zum Download). Die Zertifizierung durch das IRED Institut (Freiburg) erfolgt alle 2 Jahre, das „Audit“ jährlich. Durch die verbesserte Kommunikation im Rahmen der regelmäßig tagenden interdisziplinären Ernährungskommission und durch die strukturell veränderte Organisation (Anforderungen Anlage zum Download) konnte die Effektivität der Ernährungsberatung deutlich verbessert werden. Die Beschreibung des Modellprojektes ist im Anhang beigefügt (Anhang zum Download).

 

In zunehmendem Maße gewinnt die Psychotherapeutische Mitbehandlung von Jugendlichen und Kindern an Bedeutung. Durch die Mitwirkung der Psychologen bzw psychologischen Psychotherapeuten wird eine weitere symbiotische Verbesserung des Behandlungskonzeptes und eine Vertiefung unserer psychotherapeutischen Leistungen erwartet, da bei einem erheblichen Teil der älteren Kinder bzw Jugendlichen mit deutlichem Übergewicht bereits von psychischen Schädigungen bzw psychosomatischen Überlagerungen auszugehen ist. Ziel ist es, die Kinder und Jugendlichen neben der erlernten Ernährungs- und neuen Bewegungskompentenz mit neuem Selbstwertgefühl psychisch stabil in das soziale Netz wiedereinzugliedern.

 

Epidemiologie

Das frühzeitige Übergewicht (Adipositas) bei Kindern und Jugendlichen entwickelt sich in den westlichen Ländern und Deutschland zunehmend zu einem schwerwiegenden Gesundheitsproblem. Fast ein Fünftel aller Kinder und ein Drittel aller Jugendlichen in Deutschland sind bereits übergewichtig. Bei 5-8 % besteht bereits Adipositas d.h. (BMI (AGA) > 97. Perzentile). Literatur: www.a-g-a.de./Trends.doc.

Übergewicht liegt vor, wenn der Body-Maß-Index (BMI = Körpergewicht in Kg/(Größe in m)²) größer ist, als bei 90% der übrigen altersgleichen Bevölkerung. Adipositas oder Fettsucht liegt vor, wenn der BMI des Kindes über dem BMI von 97% liegt (nach den Richtlinien der AGA. vgl. www.a-g-a.de). BMI bei Kindern: www.mybmi.de/main.php

Ca. 80% der Kinder mit 6 Jahren sind mit 10 Jahren immer noch gleich übergewichtig. Nur 5% sind 10 Jahre danach wieder normalgewichtig .

Dabei stellt die Fettsucht (Adipositas) einen erheblichen Risikofaktor für

spätere Folgeerkrankungen dar :

- Diabetes Mellitus 70%

- Bluthochdruck 40%

- Koronare Herzerkrankung 40%

- Dickdarm- und Gynäkologische Tumoren 30%

- Orthopädische Erkrankungen 20%

 

Bei ungefähr der Hälfte der adipösen Kinder und Jugendlichen liegt mindestens eine Folgeerkrankung (Bluthochdruck, Fettstoffwechselstörung, Diabetes mellitus Typ 2, orthopädische Komplikationen) bzw. ein weiterer Risikofaktor (z.B. Hyperinsulinämie) vor. Außerdem drohen körperliche -und soziale Probleme bei der Aufnahme einer beruflichen Tätigkeit eventuell auch mit vorzeitigem Berufwechsel oder Berentung.

 

BMI bei Erwachsenen

www.aga-webdesign.de/body-mass-index.php

oder auch unter www.mybmi.de/main.php

Dem äußeren Erscheinungsbild der Adipositas liegen vielfältige Ursachen zu Grunde:

Falsche Ernährungsgewohnheiten, soziale Familien- und Umfeldbelastungen,

körperlicher Bewegungsmangel bei Multimedienkonsum/frühzeitige Motorisierung und zum Teil auch erbliche Veranlagungen .

Der Anzahl von über einer Million adipöser Jugendlicher steht z.Zt. nur eine begrenzte Zahl von stationären Behandlungsplätzen von bundesweit ca 10.000 Plätzen gegenüber.

Unter den Stoffwechselerkrankungen nehmen die Erkrankungen an Übergewicht und deren Folgeerkrankungen wie z.B. Diabetes Mellitus, metabolisches Syndrom, Hypertonie mittlerweile einen dominierenden Stellenwert ein.

 

Zielgruppen und Indikationen

Das vorliegende Behandlungskonzept bezieht sich auf  Stoffwechselerkrankungen insbesondere der Behandlung der Adipositas und deren Komorbiditäten.

 

Zielgruppen sind:

·Erkrankte Mütter/Väter mit ihren ebenfalls erkrankten Kindern

·Erkrankte Mütter/Väter mit ihren gesunden Kindern

·Erkrankte Kinder mit Ihren gesunden Eltern

·Adipöse Jugendliche mit extremen Übergewicht oder Komorbidität

·Adipöse Jugendliche mit assoziierten psychischen Störungen

 

Das Eltern-Kind-Konzept ermöglicht eine Behandlung von Familien oder Teilfamilien mit Erwachsenen und deren Kinder im Alter 0 bis 12 Jahren, im Einzelfalle auch bis 14 Jahren.

 

Bedingungen einer erfolgreichen stationären Adipositas - Therapie bei Kindern und Jugendlichen

Wenn alle therapeutischen Möglichkeiten am Heimatort ausgeschöpft sind oder diese Strukturen nicht bestehen, ist eine Kinder- und  Jugendrehabilitation /-prävention angezeigt, um die persönlichen und gesellschaftlichen Folgen der Adipositas zu mildern und zu beseitigen. Eine Trendumkehr kann nur gelingen, wenn alle Beteiligten an einem

Strang ziehen. Dies erfordert im Einzelnen:

 

Kontraindikationen für eine stationäre Behandlung in der Klinik Eichhof sind gegeben, bei:

·Ausgeprägtem Suchtverhalten wie: Alkoholismus, Drogensucht und

Medikamentenabhängigkeit

·Akuter Suizidalität

·Schweren Psychosen