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Internationaler Frauentag

Denn während wir von Gleichheit sprechen, ist sie längst nicht Realität.

 

Die rote Nelke

Am Frauentag 

wurde sie ein Zeichen.

Rot.

Mut.

Hoffnung.

Stille Kraft.

 

Die erste Frau trägt sie heimlich.

Sie darf vieles nicht.

Oft entscheidet ihr Mann über ihr Leben.

Über Arbeit.

Über Geld.

Über Zukunft.

 

Und doch verschiebt sie Grenzen.

Schafft Räume.

Hält alles zusammen.

Und legt die rote Nelke in die Hand ihrer Tochter und flüstert:

„Geh deinen eigenen Weg.“

 

Die Tochter wächst auf.

Rechte auf dem Papier.

Lernen. Arbeiten. Wählen.

Und doch liegt die Erwartung schwer:

Familie. Verantwortung. Pflicht.

 

Sie sieht Männer in hohen Positionen.

Frauen selten dort.

Sie arbeitet genauso viel.

Genauso gut.

Und bekommt doch weniger.

Nur weil sie eine Frau ist.

 

Und trotzdem lächelt sie und gibt nicht auf.

Denn sie hat Hoffnung.

Sie gibt die Nelke weiter an ihre Tochter und sagt leise:

„Du darfst alles sein.“

 

Und diese Tochter

ja, das sind wir.

 

Wir dürfen vieles.

Karriere. Führung. Freiheit.

Und doch stehen wir oft zwischen zwei Welten.

Mutter sein.

Karrierefrau sein.

Und beides soll perfekt sein.

Wir tragen Termine im Kopf

und Verantwortung im Herzen.

Care-Arbeit hat einen Namen.

Aber noch immer nicht den gleichen Wert.

Nicht im Gehalt.

Nicht in der Rente.

Nicht in der Anerkennung.

 

Wir sind auf dem richtigen Weg,

Aber er ist nicht zu Ende.

 

Denn während wir von Gleichheit sprechen,

ist sie längst nicht Realität.

Für viele Frauen auf dieser Welt

ist Freiheit noch ein Risiko.

Selbstbestimmung keine Selbstverständlichkeit.

Sicherheit kein Versprechen.

Ungleichheit ist spürbar, im Alltag, in Karrieren, in Perspektiven und Zukunft.

 

Die Nelke liegt in meinen Händen.

Nicht mehr versteckt.

Sichtbar.

Mit Mut der ersten.

Mit Hoffnung der zweiten.

Und der Verantwortung unserer Generation.

 

Und ich lege sie in die kleine Hand meiner Tochter.

 

Und ich sage heute laut:

„Wir sind noch lange nicht am Ziel.

Wir haben zu oft geschwiegen

und zu leise gesprochen.

Du darfst lauter sein.“

Text von Anna Volk