Begrenzende Corona-Bestimmungen machen kreativ

Aus der Not wächst eine Tugend

 "Sind die neuen Bestimmungen nur begrenzend zu sehen oder schaffen sie sogar neue Räume?", werden die Mitarbeitenden der Fachklinik Münstertal gefragt. Oder sind inzwischen Abstände, Mund-Nasen-Schutz und Desinfektion - Frustration, Distanz und Trostlosigkeit die Assoziationen der heutigen Zeit und gehören zu unserer Normalität?

Ganz spontan erwidern Erzieher und Sozialarbeiter in der Gruppenbetreuung, in erster Linie brächten die neuen Bestimmungen Ruhe, Kontinuität und Entschleunigung. Die Mitarbeiter, sowie die Kinder sind zu höherer Kreativität aufgefordert, was wiederum Abwechslung und eine neue Dynamik in die Gruppenstruktur bringt. Neue Spiele werden gebaut und in den Außenbereich verlegt. Zum Beispiel eine große Murmelbahn und ein "Mensch-ärgere-Dich-nicht"-Spiel.

Die Ideenvielfalt wächst und neue Vorschläge für Ausflüge und Freizeitaktivitäten werden täglich auf die Anschlagstafel an der Rezeption gehängt. Dadurch, dass einige Anwendungen für die Kinder wegfallen, können nun intensivere und längere Gruppenaktivitäten und Ausflüge unternommen werden. Auch neue zusätzliche Gruppenräume, ehemalige Appartements, stellen durch den direkten Zugang zum Garten eine große Attraktivität für die Kinder dar. Sie können dementsprechend selbständig nach draußen gehen und verhalten sich dadurch freier in ihrer Handlungsfähigkeit. "Die Kinder sind nur noch draußen", lautet die Aussage einer Mitarbeiterin. Sie führt fort, dass jüngeren Kindern die kleinen Gruppen sehr gut täten. Sie würden schnell sichere Beziehungen aufbauen und inzwischen selbständig der eigenen Hygiene nachgehen können.

Man kann also sagen, jede Gruppe bringt nun eine Kontinuität mit sich, sowohl für die Kinder in deren Gruppen als auch für die Erwachsenen in der Sport- und Achtsamkeitsgruppe oder Gesprächsrunde, die auf der einen Seite Intimität und Sicherheit wachsen lässt und auf der anderen Seite einen thematischen Aufbau und persönliche Anpassung der Gruppengestaltung zulässt. Dass die Hygieneregelungen das Eingehen von Kompromissen erfordern, häufig unangenehm und eher unpraktisch sind, ist offensichtlich.

Die Fachklinik Münstertal zeigt aber auch: Begrenzung macht kreativ! Sie bedeutet, aus der Komfortzone auszutreten, sich einzubringen, umzudenken und achtsam mit sich selbst und anderen umzugehen. Die Familien und Mitarbeitenden nehmen miteinander neue Herausforderungen an und begegnen einander dankbar, wertschätzend und kreativ.